Wohltäter oder Geizhals?

Im Startwochencaf´e bezahlt jeder so viel in die WertBox, wie ihm «gratis» wert ist. (Bild: Felix Brugger)

Im Startwochencafé bezahlt jeder so viel in die WertBox, wie ihm «gratis» wert ist. (Bild: Felix Brugger)

Universität St. Gallen, sechster Platz unter den Business Schools in Europa, Mekka für die Jünger des Kapitalismus. Ausgerechnet hier hat während der Startwoche ein Projekt Schule gemacht, welches zum Nachdenken über den Massenkonsum anregen soll, welches eine andere Form des Wirtschaftens testet. Es stellt einen Gegenentwurf zu der bedingungslosen Verehrung von Angebot und Nachfrage dar: die WertBox. Wie viel ist dir das Angebot wert, wie viel gibst du freiwillig?

Hemmschwelle sinkt
Die WertBox ist Teil des Startwochencafés, das sich dieser Tage zum Lieblingsort der Assessies mausert. Das Café versorgt die angehenden Studenten mit Kaffee, Süssgetränken und ganz unterschiedlichen Snacks. Wie viel Franken jeder in die unscheinbare WertBox wirft, bleibt ihm überlassen – manche zahlen jedes Mal, andere haben am Anfang gezahlt – doch nehmen sie die Versorgung mit der Zeit als immer selbstverständlicher wahr. Auch den engagierten Studenten der Support Crew, die im Café arbeiten, fällt auf, dass viele Assessies freiwillig nicht bereit sind, etwas zu geben. Die Artikel stammen von Sponsoren, die die Zuständige aus dem Campus Credit Team, Lucie Bischof, im Vorhinein angefragt hat. Organisiert wird die WertBox von ihr, den anderen drei Mitgliedern des Campus Credit Teams und der Projektleitung der HSG. Letztes Jahr wurden für das Projekt «Schutzwald », welches sich für das Pflanzen neuer Bäume einsetzt, rund 2500 Franken gesammelt.

Abwechslung für kranke Kinder
Steht man gerade in der Schlange an und freut sich schon auf sein heiss geliebtes Lebenselixier am Morgen, wird man von einem Infoscreen über das Projekt, dem das gesammelte Geld dieses Jahr zugute kommt, in Kenntnis gesetzt. Dieses Jahr wird das Geld an die Stiftung Theodora gespendet. Die 1993 gegründete Stiftung bildet professionelle Artisten aus, die in 54 Spitälern schweizweit den Kindern eine Abwechslung zum ernsthaften und eintönigen Klinikalltag bieten. Zusätzlich betreut die Stiftung zwei Projekte für Kinder mit Behinderung und unterstützt die Spitalclowns durch psychologische Beratung, um mit Belastungen, die mit dem Beruf einhergehen, zurecht zu kommen. Auf die Frage, warum dieses Projekt gewählt wurde, erklärt Lucie Bischof, das Team habe nach dem letztjährigen Projekt ein Vorhaben gesucht, mit dem sich die Studenten besser identifizieren können.

Ideen für die Zukunft
Vielleicht kann die WertBox die angehenden Studenten ja für ihre Zukunft dazu anregen, über Alternativen zu dem vorhandenen System nachzudenken und über den Tellerrand hinaus zu schauen. Schliesslich zeigt gerade dieses Projekt, dass die HSG offen ist für neue Ideen und Konzepte. Und vielleicht kann dieser Artikel ja bewirken, dass der eine oder andere seinen persönlichen Umgang mit dem Projekt Wert- Box bis Freitag nochmal hinterfragt. (Text: Tabea Wich)

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