«Gaudeamus igitur» hoch über St. Gallen

Samuele Barbera, Präsident der Emporia-Alemannia San Gallensis. (Bild: Felix Keckeis)

Samuele Barbera, Präsident der Emporia-Alemannia San Gallensis. (Bild: Felix Keckeis)

Studentenverbindungen werden gemeinhin den postmodernen Trinkgelagen zugeordnet. Der Wandel der Zeit macht auch vor diesen traditionsreichen Vereinen nicht halt – eine Momentaufnahme.

Vom Treffpunkt bei der Fliege Erika geht Samuele v/o Moderat (im Bild), Präsident der Studentenverbindung Emporia, in einen ruhigeren Teil der zur Zeit sehr gut besuchten Uni. Er trägt seine «Farben» bestehend ausMutz (Hut), einem glitzernden und klimpernden Anhänger, der «Bierzipfel» genannt wird, und dem farbigen Band. Blau, silber und schwarz repräsentativ für Treue, Ehre und Pflicht.

Geselligkeit mit Tradition
Man lege Wert auf die Dauerhaftigkeit und Verbindlichkeit der hier geschlossenen Freundschaften, welche meist lange über das Studium hinaus bestehend blieben, wie Samuele Barbera erklärt. Auch Disziplin undHierarchie sind ein Thema. So verhält man sich bei den wöchentlichen Treffen gemäss dem Regelwerk – dem Comment: Die «Füxe» servieren den älteren «Burschen» ihr Bier. Die Aufgaben und Zuständigkeiten sind klar geregelt. Mehr Rechte heisst auch mehr Pflichten. Bis zu ihrer «Fuxifikation » sind die Neumitglieder zwar nur Ausführende, aber dafür auch nicht mit Organisatorischem betraut. «Diese Verhaltensregeln sind wichtig, so dass der gesellige Betrieb nicht zum Saufgelage ausartet.» sagen auch Philipp v/o Lancelot und Carole v/o Havana von der Verbindung Notkeriana, die auch Frauen aufnimmt. Eine Ausnahme in der St. Galler Verbindungslandschaft, doch seien die weiblichen Verbindungsbrüder inzwischen nicht mehr wegzudenken. «Dafür kennen wir keine Nachwuchssorgen ». Die gleiche Tradition werde heute anders ausgelebt. Vorbei sind auch die Zeiten, wo die meisten Verbindungen noch «schlagend» waren, d. h. das Fechten fest dazugehörte. Auch der Bier-Comment wird längst nicht mehr bis zum Trinkzwang ausgelebt. Man erlebe Rückhalt statt Demütigung, familiäre Umgang statt Repression. «Es gilt einige Vorurteile zu revidieren.» sagen Philipp und Carole.

Ein Teil der HSG
Besonders bei Bachelor- oder Master-Graduations treten die an der HSG aktiven Studentenverbindungen in Erscheinung. Jeweils drei Mitglieder samt Fahne schaffen zusammen ein Arrangement, welches durch das Singen des altehrwürdigen Studentenliedes «gaudeamus igitur» abgerundet wird. Auch wenn man nicht mehr wie früher die gesamte Festgesellschaft auf einem Umzug nach der Feier zum Vadiandenkmal führt, um dort die Graduation abzuschliessen, haben diese Worte ihren Zauber und ihre ursprüngliche Bedeutung nicht verloren. (Text: Jonas Streule)

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