Artenvielfalt auf dem Rosenberg

Im Assessment sind noch alle zusammen, doch woran lassen sich eigentlich die künftigen Studenten verschiedener Studiengänge erkennen? Das Startblatt hat die gängigsten Stereotypen gesammelt. 

Uhr1. Der BWLer. Rosa Hemd, aufgestellter Kragen, Pullover locker darüber geworfen und vor der Brust zusammen geknotet. Die Schuhe sind entweder aus Lack oder Leder – Mokassins sind diesen Sommer die Schuhe der Wahl des BWL Studenten. Nicht zu vergessen ist die Rolex am Handgelenk. Mit der Wahl protziger Accessoires zeigt er, dass sein Vater, und natürlich bald auch er, sehr viel Geld verdient. Er sprudelt nicht gerade über vor besonderen Begabungen künstlerischer, mathematischer oder sprachlicher Art, die ihn zu einem andere Studium befähigt hätten. Überlässt man ihm in einer Gruppensituation die Führung, ist er glücklich wie der Fisch im Wasser. Beim Smalltalk auf dem Campus ist er an seinem betont konservativen Weltbild zu erkennen. Begeisterung kennt er nur für sein Fach und den Kapitalismus im Ganzen. Der BWL-Student ist risikoavers bezüglich seines Studiums und auch sonstigen Entscheidungen – der Karriereweg ist bereits durchgeplant und führt steil hinauf ins Zentrum der Macht. Er rackert sich in allerlei Soft-Skills-Seminaren ab, um solch wichtige und zentrale Fähigkeiten wie Delegations-, Präsentations- und Kritikkompetenz zu erlernen. Zu empfehlen wäre dem BWLer einem der zahlreichen Vereine an der HSG beizutreten, um die soziale Ader zu pflegen. Wiedererkennungswert: 40%

 

 

Grafik2. Der Vwl-Student. Am schwersten zu erkennen ist wohl der VWL-Student. Man könnte meinen, er gleiche aufgrund der fachlichen Nähe dem BWLer, doch gibt es erhebliche Unterschiede. Wo der BWL-Student jedes Risiko scheut, freut sich der VWLer schon auf das heiss geliebte Spekulieren und in die Zukunft Orakeln. Gemeinsamkeiten lassen sich aber durchaus finden, betrachtet man beispielsweise das Äussere der BWL- und VWL-Studenten. Am leichtesten lässt sich der künftige VWL-Student im Assessment-Jahr in den Mathe-Vorlesungen erkennen. Während der Rest der Studenten noch über Ableitungen und Integrale rätselt, fühlt sich der VWLer pudelwohl in der Welt der Zahlen und Graphen. Das geliebte mathematische Universum ist für ihn auch Ersatz für die sonst eher spärlichen Sozialkontakte Er ist durchaus interessiert an der Aussenwelt, schliesslich hat er vor, diese in Zukunft zu gestalten. Allerdings ist er davon überzeugt, dass diese und alle in ihr vorhandenen Menschen nach den Regeln der Logik und Mathematik zu funktionieren haben. Zu empfehlen wäre dem VWLer wohl ein wenig soziales Interaktionstraining, in dem er lernen könnte, dass tatsächlich Ereignisse zwischen Himmel und Erde passieren, die sich nicht an Modelle und Formeln halten. Wiedererkennungswert: 30%

 

Bücher3. Der Ecolawer. Und dann sind da noch die «Superhirne». Sie trauen sich zu, sowohl den fast ungekürzten Stoff der BWL, als auch der Rechtswissenschaft anzueignen. Aller Intelligenz zum Trotz: Law/Eco-Studis sind «Lernmaschinen», ja nahezu bekennende Streber. Zeit, um in der Universität modische Glanzpunkte zu setzen, bleibt logischerweise nicht. Es wachsen Frauen und Männer heran, die sich so langweilig wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel einkleiden. Selbstverständlich finden die viel beschäftigen Ecolawer rein gar keine Zeit für ein erfüllendes Privatleben. In Bars und Clubs stürzen die Nonstop-Lernenden höchst selten ab. Und im persönlichen Gespräch kommen umgehend die von ihnen heiss geliebten Wirtschafts- und Rechtsthemen zum Zug, über den Tellerrand hinausschauen existiert für Ecolawer nicht. Der markanteste Unterschied zwischen Jura-Studenten und Ecolawern sind die Mathe-Kenntnisse. Währenddem man mit der rechtswissenschaftlichen Vertiefung die Mathe elegant links liegen lässt, darf sich der zukünftige Rechts- und Wirtschaftsprofi noch damit herumschlagen. Um drohenden Burn-outs vorzubeugen, werden regelmässige Besuche des Ruheraums empfohlen. Mehr als ein viertelstündiger Power Nap liegt aus zeitlichen Gründen allerdings nicht drin. Wiedererkennungswert: 40%

 

 

Richter4. Der Jura-student. „Es kommt darauf an“ ist das Paradebeispiel des nichtssagenden Juristen-Deutsch. Dies stellt – neben dem Outfit – einen triftigen Grund dar, weshalb sich Jura-Studenten untereinander sofort erkennen. Überteuerte Anzüge, schleimig nach hinten gegelte Haare und altmodische Segelschuhe lassen die Studentengruppe auffliegen. Allerdings bestehen für Aussenstehende grossflächige Überschneidungen zwischen BWL- und Jura-Studenten. Im Zweifelsfall heben sich die beiden Klassen durch Unterschiede im sprachlichen Ausdruck ab. Nicht von Börsenkursen und Prozentsätzen, sondern von heiss geliebten Paragrafen, Artikeln oder Absätzen parlieren die Rechtler nonstop. Durch exklusive Hobbys wie Golf, Reiten oder Eisstockschiessen heben sich die häufig Mathe hassenden Studis der Rechtswissenschaft weiter ab. Die Meister des Auswendiglernens müssen ein nahezu inexistentes Privatleben sowie Vorurteile à la «wer nicht weiss was er werden will, studiert Jura» oder «geldgeil» ertragen. Um nicht als Jura-Kaffeemaschinen-Reparateur zu enden, müssen angehende Juristen ihren durch die Last der Gesetzbücher krumm werdenden Rücken trainieren, zurückgezogen leben und die eiserne Disziplin Tag und Nacht hochhalten – darauf kommt es wirklich an. Wiedererkennungswert: 50%

 

 

Landkarte5. Die IAerin. Hier wurde für den Untertitel bewusst die weibliche Form gewählt – in keiner anderen an der HSG angebotenen Studienrichtung ist der Frauenanteil höher. Wobei sich neben den zahlreichen Frauen mit den nicht immer konservativen Frisuren auch der eine oder andere Frauenheld für ein Studium der internationalen Beziehungen anmeldet. Nach unzähligen Zwischenjahren und dem damit verbundenen Erlernen von Sprachen und neuen Kulturen wagen die zukünftigen Aussenpolitikerinnen den mutigen Schritt an die, von der Wirtschaft geprägten, HSG. Die IA-Studenten sind im Direktvergleich die mit Abstand am besten wiederzuerkennende Gruppe. Durch ihre offene Art sowie die farbigen, teilweise gar ausgefallenen Kleider fallen sie dem gewöhnlichen HSGler in Sekundenbruchteilen auf. Die politisch eher links stehenden Studis sehen ihr Studium und ihren späteren Karriereweg als Berufung. Dies ist vorwiegend auf ihre stark ausgeprägte soziale Ader und ihre Liebe zu Menschen aller Herkunft zurückzuführen. Vor allem Südamerika und Afrika stehen bei den IAer/innen hoch im Kurs – sie wissen ihr Helfersyndrom nicht zu bändigen. Aufgepasst: Neben all den guten Taten für Mensch und Umwelt können die eigenen persönlichen Bedürfnisse auf der Strecke bleiben. Wiedererkennungswert: 80%

(Von Fabian Kleeb und Tabea Wich)

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